Wenn Bilanzierung zur Haftungsfrage wird
Wann wird aus einer Bilanzierungsfrage ein Haftungsrisiko? Welche Verantwortung tragen Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Abschlussprüfer? Und welche neuen Herausforderungen entstehen durch Nachhaltigkeitsberichterstattung und steuerliche Bilanzkorrekturen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die 2. Auflage des Handbuchs „Bilanz und Haftung“, die gestern bei Binder Grösswang präsentiert wurde.
Die Herausgeber Dr. Stefan Albiez, Ass.-Prof. Dr. Matthias Petutschnig und Dr. Christian Wimpissinger, LL.M. (NYU) stellten gemeinsam mit den Mitautor Anna Roth und Robert Rzeszut zentrale Neuerungen des Werks vor und diskutierten deren Bedeutung für die Beratungspraxis.
Das Handbuch verbindet Straf-, Gesellschafts- und Steuerrecht und beleuchtet Haftungsfragen rund um Bilanzierung und Abschlussprüfung aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven. Bereits die 1. Auflage behandelte unter anderem Bilanzstrafrecht, die Verantwortung von Geschäftsführung und Aufsichtsrat, die Haftung des Abschlussprüfers sowie steuer- und finanzstrafrechtliche Konsequenzen.
Die 2. Auflage wurde umfassend aktualisiert und greift neue Entwicklungen auf. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Nachhaltigkeitsberichterstattung, der steuerlichen Wirkung von Bilanzberichtigungen und der Bilanzierung in der Steuergruppe. Damit adressiert das Handbuch Fragestellungen, die für Unternehmen, Berater und Entscheidungsträger zunehmend an praktischer Bedeutung gewinnen.
Stefan Albiez dazu: “Nicht jede Unsauberkeit im Rechnungswesen führt zur Strafbarkeit. Nicht jede Form der Bilanzkosmetik ist ein Bilanzbetrug. Eine strafrechtliche Verantwortung kann sich aber aus viel mehr als nur einem unrichtigen Jahresabschluss ergeben. Im strafrechtlichen Feuer stehen dabei nicht nur die Entscheidungsträger der Unternehmen selbst, sondern auch deren Berater wie insbesondere Bilanzbuchhalter, Steuerberater, Rechtsanwälte und Notare.”
Christian Wimpissinger ergänzt: „In den letzten Jahren gab es besonders häufig Fragen zur Bildung von Rückstellungen sowie zur Haftung für Zahlungen oder unterlassene Zahlungen im Zusammenhang mit Steuergruppen; daher ist diesem Themenbereich nun ein eigenes neues Kapitel gewidmet.“
Gerade das Zusammenspiel der unterschiedlichen Rechtsgebiete macht die Materie anspruchsvoll: Bilanzierungsentscheidungen können gesellschafts-, haftungs-, straf- und steuerrechtliche Folgen gleichzeitig auslösen. Die Neuauflage bietet dafür eine praxisorientierte Einordnung und verbindet wissenschaftliche Analyse mit konkreten Fragestellungen aus der Beratung.
Im Anschluss an die Präsentation nutzten die Gäste die Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit den Herausgebern und Mitautor.
Am 12. Oktober wird das Buch an der Universität Innsbruck auch nochmals präsentiert, hier geht's zur Anmeldung.